The Play

Stephen Sondheims Musical "Into The Woods"

Stephen Sondheim, 1930 in New York geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Komponisten und Texter des Broadway. 1957 begann er seine Karriere als Songwriter der "West Side Story" von Leonard Bernstein.

Im ersten Akt seines Stückes «Into The Woods» bedient er sich der Gebrüder Grimm. Aschenputtel möchte um alles in der Welt zum abendlichen Ball, Hans (Jack) und seine Mutter sind verzweifelt ob der Milchlosigkeit ihrer Kuh, dann gibt es da die Bäckersleute, welche so gerne ein Kind haben möchten, und letztlich Rotkäppchen bei seinem bekannten Abenteuer im Wald auf dem Weg zur Grossmutter. Zudem hat Sondheim eine neue Geschichte erfunden: Die Hexe, welche Rapunzel im Turm gefangen hält, verspricht den Bäckersleuten die Erfüllung ihres Kinderwunsches, wenn sie ihr innerhalb von drei Tagen eine Kuh so weiss wie Milch, Haar so gelb wie Mais, ein Mäntlein so rot wie Blut und einen goldenen Schuh bringen. Der Wald, in dem alsbald alle ihre Wünsche zu erfüllen versuchen, ist der Ort, in dem sich die Figuren in amüsante Verwicklungen begeben. Eine reizvolle Montage all der jedem seit der Kindheit wohl vertrauten Stereotype der Grimmschen Märchenwelt.

Nach dem ersten, für alle letztlich glücklich verlaufenen Akt verlässt der zweite die reine Märchenebene und durchbricht die Eindimensionalität der Märchenfiguren. «Wie lebt es sich denn mit einem Prinzen?» oder «Wie zieht man denn das so ersehnte Kind gross?» sind Fragen, die in den bekannten Märchen nicht gestellt werden (dürfen!). Auf der anderen Seite nötigt die von Sondheim erfundene Bedrohung durch eine Riesin alle zu Entscheidungen jenseits der wohlvertrauten Muster von Gut und Böse. Die Rolle des Lüstlings übernimmt jetzt Aschenputtels Prinz, der die anfangs ängstliche, später glücksselige Bäckersfrau verführt.

Natürlich hat das Stück noch andere (tiefere?) Dimensionen: Der Wald als Ort der Sehnsucht, des Irrationalen, die rote Kappe als Symbol von Erotik und Sexualität, Moral und Ordnung und nicht zuletzt die beliebte Schublade der bösen Stiefmutter. Die Kunst, aus all dem einen unterhaltsamen Abend zu machen, beherrscht Sondheim exzellent.

(nach: Steffen Kühn – www.leipzig-almanach.de)


→ Ausführliche Zusammenfassung der Handlung

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